Jeder Mensch sehnt sich danach, im Leben etwas bewirken zu können. Bereits kleine Kinder spüren schon dieses Sehnen, die Pädagogen nennen es «Selbstwirksamkeit». Das Kind möchte nicht nur den Anweisungen der Erwachsenen folgen, nein, es will selbst wirksam sein, auch wenn dies mitunter bedeutet, viel Chaos zu verursachen und die Erwachsenen zu verärgern. Jede Mutter, jeder Vater wird wissen, wovon ich rede.
Mit zunehmendem Alter kommt die Frage nach dem Sinn hinzu. Welchen Sinn möchte ich meinem Leben geben? Was ist meine Bestimmung? Dies ist eine schicksalsschwere Frage, die nur wenige so recht zu beantworten wagen. Gibt es nur die eine Bestimmung für mich und was ist, wenn ich diese verfehle? Ist dann mein ganzes Leben zum Scheitern verurteilt? Die wunderbare Judith Peters hat solche Gedanken und Überzeugungen als «mindfucks» entlarvt und darüber aufgeklärt, dass wir im Laufe unseres Lebens viele Bestimmungen haben können, die sich daraus ergeben, was denn nun gerade für uns wichtig und «stimmig» ist. Wir entscheiden dies selbst.
Wo stört uns etwas, wo wollen wir etwas verändern? Diese Fragen geben uns wichtige Hinweise. Manchmal möchten wir vielleicht resigniert den Kopf in den Sand stecken angesichts so vieler Schwierigkeiten und Herausforderungen, denen wir tagtäglich begegnen. Doch manchmal wagen wir zu träumen von einer besseren Welt und erkennen die ersten Schritte dahin, die wir selbst machen können. Ein sehr beeindruckendes Beispiel für mich ist Viktor Frankl, der grosse Stärke und Resilienz gezeigt hat, indem er für sich auch unter den schwierigsten Umständen einen Sinn erkannt hat. Er hat daraus die Logotherapie begründet – nicht zu verwechseln mit der Logopädie ;).
Die drei Wirkungsfelder als Mutter, weibliche Seele und Künstlerin verbindet, dass sie von meinem Fühlen erfüllt werden. Ich darf mir erlauben, meine Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu benennen. Ich hoffe dadurch, andere zu ermutigen, liebevoller mit sich selbst zu sein, ihrer Intuition zu vertrauen und selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.
Wie Heidi meine Mutterrolle mit meinem inneren Kind verbindet

Mein älterer Sohn liebt Pokemon, Minecraft und alle Superhelden des Marvel Universums. Alles Dinge, zu denen ich nur wenig Bezug habe und auch in meiner Kindheit niemals hatte. Vor einer Weile habe ich ihn dann mal mit der animierten «Heidi»-Serie bekannt gemacht. Da ich selbst aus Frankfurt komme und wir nun gemeinsam in der Schweiz leben, habe ich ja einen besonderen Bezug dazu. Auch ich würde nicht wieder zurück nach Frankfurt gehen wollen. Doch als mein Sohn nun kürzlich von sich aus Folge um Folge schauen wollte, wurde mir bewusst, dass «Heidi» noch mehr mit mir gemeinsam hat als nur ihre Liebe für die Schweizer Berge.
Sie ist alles, wonach mein inneres Kind sich sehnt und was in meiner Mutterrolle oft in Vergessenheit gerät.
1.Echte authentische Verbindungen mit anderen Menschen sind ihr wichtiger als Konventionen
Während ihrer Zeit in Frankfurt wird deutlich, dass sie keine Ahnung hat von sogenannten «guten Manieren». Doch ihre Zuneigung ist echt und ihre Begeisterung ist ansteckend.
2. Sie glaubt an das Gute im Menschen, sieht seinen inneren Kern und ist nicht nachtragend
Sie lässt sich von der anfänglichen Unfreundlichkeit ihres Grossvaters nicht entmutigen, sondern begegnet ihm mit offenem Herzen.
3. Sie ermutigt auch andere, immer das Gute zu sehen und an Heilung zu glauben
Sie ist durch ihr positives Wesen eine grosse Stütze und Inspiration für ihre Freundin Klara, die im Rollstuhl sitzt. Dank ihr gewinnt Klara wieder an Lebensfreude und lernt schliesslich sogar wieder laufen.
4. Sie weiss, wie man Spass hat und geniesst das Leben
So möchte auch ich als Mutter lernen, meine Kinder weniger zu be- und verurteilen, wie das die Gesellschaft schon zur Genüge tut, sondern sie mit offenerem Herzen zu lieben. Wenn meine Kinder «etwas angestellt haben» will ich ihnen keine Böswilligkeit unterstellen, sondern auf Augenhöhe mit ihnen darüber ins Gespräch kommen und gemeinsam Lösungen finden. Auch ich will mit ihnen mehr zusammen Spass haben und nicht immer alles so ernst nehmen.
Ich möchte sie und alle Menschen, mit denen ich zu tun habe, ermutigen, dass es immer möglich ist, ihr Leben neu auszurichten und ihr Potenzial zu entfalten.
Ich will meine weibliche Seele und Kraft verkörpern und wahre weibliche Gemeinschaft leben

Lange Zeit dachte ich, wieso meckern so viele Frauen über das Patriarchat? Es geht uns Frauen doch gut in unserer heutigen, westlichen Gesellschaft. Eine Frau hat Zugang zur höchsten Schulbildung und sie kann theoretisch jeden Beruf ergreifen, den sie möchte und frei ihre Meinung äussern.
Und dann wurde ich Mutter. Von zwei Söhnen.
Ich war einerseits fasziniert von der unglaublichen Fähigkeit meines Körpers, dieses neue Leben mitzugestalten und zu nähren und andererseits fühlte ich mich unglaublich allein und angreifbar.
In beiden Schwangerschaften fühlte ich mich zwar meistens ganz gut, dennoch spürte ich wie sehr mein Körper beansprucht wurde. Ich wusste nicht viel über gesunde Ernährung und Vitalstoffe, nahm einfach das, was mir verschrieben wurde. In meiner ersten Schwangerschaft arbeitete ich noch und verschlang mein Essen immer sehr hastig, weil die Mittagspause nur sehr kurz war. Ich fühlte mich immer schlecht, wenn ich pinkeln musste, was während einer Schwangerschaft ja öfter der Fall ist. In meiner zweiten Schwangerschaft arbeitete ich nicht mehr, aber hatte zu Beginn auch mit Schwangerschaftsübelkeit zu tun und später musste ich auch immer berücksichtigen, was meinem älteren Sohn schmeckt, statt nur darauf zu achten, was für mich jetzt gut wäre. In meiner ersten Schwangerschaft lebten wir zudem in einer Wohnung mit teilweise lauten Nachbarn. Nach der ersten Geburt fühlte ich mich sehr einsam und vermisste den Kontakt zu anderen Erwachsenen. Nach der zweiten Geburt lebten wir zum Glück mit meiner Schwiegermutter in einem Haus und dadurch bekam ich viel Unterstützung und vor allem einen Austausch unter Müttern.
Ich hätte ohne sie nicht gewusst, wie es möglich wäre, noch irgendwas auf die Reihe zu kriegen. Wie soll man kochen, waschen und putzen, wenn man wenig geschlafen hat und ein Baby ständig an einem klebt und saugt? Theoretisch sollte man das alles nach drei Monaten hinbekommen. So lange geht jedenfalls der Mutterschutz in der Schweiz. Abgesehen davon, dass es für die Mutter-Kind-Bindung nicht gerade das beste ist, so ein kleines Baby fremdbetreuen zu lassen, lohnt es sich auch finanziell nur bedingt angesichts der hohen Betreuungskosten in der Schweiz. Seither bin ich also Hausfrau und Mutter und stelle mir viele Fragen.
Ich schaue mir sehr viele Interviews von Online-Kongressen an und höre eines Tages Alicia Kusumitra darüber erzählen, wie bei dem indigenen Volk der Maya, bei dem sie lebt, Schwangere und Mütter mit ihren Babys von der ganzen Gemeinschaft gehegt und gepflegt werden. Sie spricht zudem über das zyklische Leben und die grosse spirituelle Schöpferkraft der Frau. Eine Frau, die gerade ihre Monatsblutung hat, kann sich zurückziehen von den alltäglichen Aufgaben, die dann von den älteren Frauen übernommen werden und sich gänzlich der Spiritualität widmen. Natürlich schaut auch die ganze Gemeinschaft auf die Kinder.
Da wird eine Sehnsucht in mir wach, eine Erinnerung, ja, so muss Leben, so muss Gemeinschaft sein. Später höre ich von anderen Frauen, die von der heilenden Kraft von Frauenkreisen erzählen und ich denke, ja, das will ich auch.
Doch der Alltag lässt mich das wieder vergessen, bis ich die Diagnose erhalte, dass eine meiner Brüste der Heilung bedarf.
Nun werde ich noch aufmerksamer und schaue genauer hin. Warum sind so viele Frauen ausgebrannt? Ein Feuer kann nicht brennen, wenn es nicht genährt wird. Viele Frauen versuchen für andere stark zu sein und vergessen ihre eigenen Bedürfnisse. Ying und Yang müssen im Gleichgewicht sein. Wir leben jedoch zu sehr Yang-orientiert in unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Dies erklärt Daniela Hutter sehr gut.
Ich achte jetzt mehr auf mich, setze Grenzen, fordere Raum für mich ein, gehe achtsam mit meinem Körper um. Ich versuche hinzuspüren, welche Kräuter, welche Düfte, welche Öle tun mir jetzt gut? Ich achte auf meinen Zyklus und die Rhythmen der Natur.
Möglicherweise werde ich noch eine Selbsthilfegruppe für Brustkrebs Betroffene gründen. Krebs ist für mich ein Thema, das eine sehr ganzheitliche Betrachtung braucht und so wie die Figur Heidi glaube auch ich daran, dass Heilung immer möglich sein kann.
Mit meiner Kunst will ich einen Raum der Freiheit schaffen

Schon immer habe ich mich für Kunst und auch für Psychologie interessiert.
Durch meine Kinder bin ich auch viel auf eigene Schattenthemen gestossen, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe. Dazu gehören auch die Themen Scham und Schuld und Perfektionismus.
Die kreative Beschäftigung bot mir besonders als Kind einen Zufluchtsort vor den Stürmen dieser Welt. Zudem konnte ich mich selbst-wirksam erleben und mir meine Träume «ausmalen».
Perfektionismus kann zum einen daher rühren, dass man in der Kindheit oft das Gefühl vermittelt bekommen hat, nicht gut genug zu sein, oder sich Liebe verdienen zu müssen, zum anderen ist es auch oft bei besonders intelligenten und sensiblen Menschen zu finden. Damit einher gehen dann oftmals Gefühle von Scham und Schuld, wenn man weniger erreicht als man doch eigentlich könnte und das Gefühl hat, versagt zu haben, Stichwort Underachievement.
Die Kunst kann hierbei ein Weg der Heilung und Befreiung sein, wenn man sich von dem Anspruch lösen kann, etwas Konkretes darstellen zu müssen. Wenn aus der Beschäftigung mit Linien, Formen und Farben ein Spiel wird, kann der Verstand pausieren und die Seele die Führung übernehmen.
Ich will dazu ermutigen, das Leben nicht nur zu ertragen, sondern es zu gestalten. Ich glaube an die Schönheit im Unvollkommenen – wie in der japanischen Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Keramik mit Gold repariert wird. Die Bruchstellen verschwinden nicht – sie werden kostbar, einzigartig, Teil der Geschichte. So sehe ich auch unser Leben: unsere Risse, Narben und Fehler sind nicht Schwächen, sondern goldene Linien, die uns noch schöner machen.
Was ist mein Vermächtnis?
Wie will ich über meine eigene Lebenszeit hinaus wirksam sein? Durch Krankheit und Tod in meiner Umgebung und zwei nicht ganz harmlose Geburten habe ich mich selbst ab und an mit meiner eigenen Endlichkeit auf dieser Erde auseinandergesetzt und mich gefragt, was von mir bleiben wird, wenn ich nicht mehr da bin. Ich liebe Kinderbücher. So viel Herzenswärme, so viel Poesie, so viel Weisheit kann in einem guten Kinderbuch stecken. Man denke nur an die Geschichte vom kleinen Prinzen, die ein ewiger Klassiker ist.
Mein Traum war es schon immer, selbst Kinderbücher zu schreiben und ich habe auch schon viele Geschichten begonnen, aber selten fertig geschrieben. Viele gute Geschichten entstehen, wenn sie individuell für ein Kind geschrieben wurden und so werde ich auch demnächst für und mit meinen Kindern Geschichten erfinden. Ich hoffe, dass diese Geschichten meinen Kindern und vielleicht auch deren Kindern noch lange Ermutigung und Inspiration schenken werden.
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